Ablauf Psychotherapie: die Phasen im Überblick

Sitzecke mit Sesseln an einem großen Fenster

Der Ablauf einer Psychotherapie gliedert sich in vier Abschnitte: Kontaktaufnahme, Auftragsklärung, Arbeitsphase und Abschluss. Dazwischen liegen Zwischenbilanzen, in denen überprüft wird, ob die Richtung noch stimmt. Wer weiß, was in welcher Phase geschieht, kann den eigenen Prozess besser einordnen und früher benennen, wenn etwas nicht passt.

Vom ersten Kontakt bis zum ersten Termin

Am Anfang steht die Kontaktaufnahme per Telefon oder über das Kontaktformular. Daraus ergibt sich ein kostenfreies Informationsgespräch von 15 Minuten. Es dient der Orientierung: Anliegen in Stichworten, Rahmenbedingungen, Termine, Honorar. Eine Behandlung findet in diesen 15 Minuten nicht statt.

Erst danach wird ein regulärer Termin vereinbart. In der Praxis in Emmendingen kostet eine Einzel- oder Paartherapie von 60 Minuten 80 Euro, eine Sitzung von 90 Minuten 120 Euro. Die Abstände zwischen den Terminen sind frei wählbar. Ein wöchentlicher Rhythmus beschleunigt den Prozess, größere Abstände sind ebenfalls möglich.

Die ersten Stunden: Anamnese, Anliegen, Ressourcen

Die ersten Sitzungen dienen dem Überblick. Gearbeitet wird meist entlang von drei Fragen: Was belastet aktuell? Wie ist es dazu gekommen? Was trägt bereits?

  1. Aktuelle Situation. Beschwerden, Dauer, Häufigkeit, Auslöser, Auswirkungen auf Arbeit, Schlaf und Beziehungen.
  2. Biografischer Rahmen. Familie, Kindheit, einschneidende Ereignisse, frühere Behandlungen und deren Verlauf.
  3. Ressourcen. Menschen, Orte, Tätigkeiten und Fähigkeiten, die stabilisierend wirken. Diese Erhebung ist kein Vorgeplänkel, sondern das Material der späteren Arbeit.
  4. Sicherheitsfragen. Suizidgedanken, Selbstverletzung, Substanzkonsum, akute Gefährdung im Umfeld. Sie werden früh und direkt angesprochen.
  5. Abgrenzung. Klärung, ob eine ärztliche Abklärung, eine psychiatrische Mitbehandlung oder ein anderes Setting vorrangig ist.

Nicht alles muss in der ersten Stunde erzählt werden. Wie viel wann berichtet wird, bestimmt die behandelte Person mit. Gerade bei belastenden Erfahrungen ist es sinnvoll, zunächst nur Stichworte zu setzen und Details später zu öffnen.

Auftragsklärung: aus einem Anliegen wird ein Ziel

Ein Anliegen ist zunächst ein Zustand: „Mir geht es schlecht.“ Ein Ziel beschreibt dagegen etwas, dessen Eintreten sich bemerken lässt. Der Unterschied entscheidet darüber, ob später überhaupt beurteilt werden kann, ob sich etwas verändert hat.

AnliegenDaraus formuliertes Ziel
„Ich bin ständig erschöpft.“„Ich möchte an drei Abenden pro Woche vor 23 Uhr im Bett liegen, ohne zu grübeln.“
„Ich kann nicht Nein sagen.“„Ich möchte eine Bitte meiner Schwester ablehnen können, ohne mich tagelang zu rechtfertigen.“
„Meine Vergangenheit holt mich ein.“„Ich möchte an Erinnerungen denken können, ohne dass mein Puls hochgeht.“

Brauchbare Ziele haben drei Merkmale: Sie sind in einer Situation beobachtbar, sie liegen im eigenen Einflussbereich, und sie sind klein genug, um in Monaten und nicht in Jahren erreichbar zu sein. Ziele, die das Verhalten anderer betreffen, werden umformuliert. Aus „Mein Partner soll mich ernst nehmen“ wird „Ich möchte im Streit sagen können, was ich brauche“.

Die Arbeitsphase

Die Arbeitsphase ist der längste Abschnitt. Welche Methoden zum Einsatz kommen, richtet sich nach dem Ziel und nach der aktuellen Belastbarkeit. Gearbeitet wird im Gespräch, mit imaginativen Übungen, mit Bild und Material, je nachdem, was zugänglich ist. Der übliche Aufbau einer Sitzung:

  • Ankommen und Rückblick auf die Zeit seit der letzten Sitzung, etwa fünf bis zehn Minuten.
  • Thema des Tages festlegen, statt allem Raum zu geben, was gerade präsent ist.
  • Arbeitsteil mit dem gewählten Vorgehen.
  • Abschluss mit Sortieren, Erdung und der Frage, wie der Rest des Tages gestaltet wird.
  • Vereinbarung für die Zeit bis zum nächsten Termin: eine Übung, eine Beobachtungsaufgabe oder bewusst nichts.

Schwankungen gehören dazu. Nach Sitzungen, die etwas berührt haben, folgen häufig ein oder zwei anstrengende Tage. Das ist kein Rückschritt. Ein Signal zum Innehalten ist dagegen, wenn Anspannung, Schlaf oder Dissoziation sich über mehrere Sitzungen hinweg verschlechtern. Dann wird das Tempo verlangsamt und die Stabilisierung ausgeweitet.

Zwischenbilanz: woran sich Veränderung ablesen lässt

Etwa alle acht bis zehn Sitzungen ist eine Zwischenbilanz sinnvoll. Sie arbeitet mit überprüfbaren Angaben, nicht mit einem allgemeinen Gefühl. Nützlich sind Fragen wie diese:

  1. Wie viele Nächte pro Woche wurde durchgeschlafen – verglichen mit dem Beginn?
  2. Wie hoch ist die durchschnittliche Anspannung auf einer Skala von 0 bis 10 an einem normalen Werktag?
  3. Wie lange dauert es nach einer starken Reaktion, bis wieder Handlungsfähigkeit da ist – Stunden, Tage?
  4. Welche Situation wurde bewältigt, die vor drei Monaten noch vermieden wurde?
  5. Was hat sich nicht verändert, obwohl daran gearbeitet wurde?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Bleibt ein Ziel über mehrere Bilanzen unverändert, wird entweder das Ziel angepasst, das Vorgehen gewechselt oder eine zusätzliche Fachrichtung einbezogen. Häufig zeigt sich Veränderung zuerst in Nebensächlichkeiten: Ein Anruf wird nicht mehr aufgeschoben, ein Streit endet nach zwanzig Minuten statt nach zwei Tagen.

Der Abschluss

Ein Prozess endet nicht mit dem Wegbleiben, sondern wird gestaltet. Bewährt hat sich ein Vorgehen in vier Schritten:

  • Abstände vergrößern. Von wöchentlich auf zweiwöchentlich, dann monatlich. So zeigt sich, was ohne engmaschige Begleitung trägt.
  • Erreichtes benennen. Die Ziele vom Anfang werden noch einmal gelesen und einzeln bewertet.
  • Rückfallplan schreiben. Frühwarnzeichen, drei Gegenmaßnahmen, Telefonnummern – auf einer Seite.
  • Abschlussstunde. Ein ausdrücklicher letzter Termin, in dem der Prozess zusammengefasst und verabschiedet wird.

Ein späterer Auffrischungstermin schließt einen Abschluss nicht aus. Viele Verläufe enden nicht endgültig, sondern gehen in größere Abstände über.

Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. In akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Rettungsdienst unter 112.

Häufige Fragen

Wie viele Sitzungen sind üblich?

Das hängt vom Anliegen ab. Für ein klar umgrenztes Thema sind 10 bis 20 Sitzungen ein häufiger Rahmen. Bei Belastungen, die über Jahre entstanden sind, sind es deutlich mehr, dafür oft mit größeren Abständen. Eine belastbare Einschätzung ist erst nach der Auftragsklärung möglich, nicht vorher.

Muss ich jede Woche kommen?

Nein, die Abstände sind frei wählbar. Ein wöchentlicher Rhythmus beschleunigt den Prozess, weil zwischen den Sitzungen weniger verloren geht. Größere Abstände sind möglich und in stabilen Phasen oder gegen Ende eines Prozesses auch sinnvoll.

Was passiert, wenn ich mit dem Vorgehen nicht einverstanden bin?

Es gehört ausgesprochen. Vorgehen, Tempo und Themen werden gemeinsam festgelegt und lassen sich jederzeit ändern. Wenn die Passung insgesamt nicht stimmt, ist ein Wechsel zu einer anderen Begleitung ein sachlicher Schritt und kein Scheitern.

Passend dazu

Unklar, wie ein Anfang aussehen könnte?

In einem kostenfreien Informationsgespräch von 15 Minuten lässt sich klären, ob eine Begleitung in der Praxis in Emmendingen passt.