Begleitetes Malen nach Bettina Egger

Pinsel taucht in einen Aquarellkasten mit vielen Farben

Das begleitete Malen nach Bettina Egger ist ein maltherapeutisches Verfahren aus der Schweiz. Kern ist die Arbeit am Bild als Gegenüber: Das Gemalte wird nicht gedeutet, sondern befragt und weiterentwickelt. Die begleitende Person führt nicht inhaltlich, sondern sorgt für den Rahmen und für Fragen, die die malende Person weiterbringen.

Die fünf Schritte einer Sitzung

  1. Impuls finden. Aus einem kurzen Gespräch entsteht ein Ausgangspunkt: ein Thema, eine Frage, eine Stimmung oder auch nur eine Farbe.
  2. Malen. Die eigentliche Arbeit am Bild, meist großformatig, ohne Kommentierung von außen. Der Prozess ist offen; ein Ergebnis ist nicht vorgegeben.
  3. Betrachten. Das Bild wird aufgehängt und aus Distanz angesehen. Die erste Frage ist immer eine der Wahrnehmung: Was sehen Sie?
  4. Benennen. Was sichtbar ist, wird in Worte gefasst – Formen, Bewegungen, Räume, Leerstellen. Nicht: was es bedeutet.
  5. Weiterarbeiten. Aus der Betrachtung ergibt sich häufig ein nächster Schritt am Bild: eine Ergänzung, eine Grenze, eine Veränderung der Farbfläche.

Diese Abfolge kann sich innerhalb einer Sitzung mehrfach wiederholen. Ein Bild kann über mehrere Termine hinweg bearbeitet werden – Malen, Ruhenlassen, erneut Betrachten und Verändern.

Warum nicht gedeutet wird

Eine Deutung von außen bringt die Bedeutung von der Therapeutin ins Bild statt umgekehrt. Damit entsteht ein Gefälle, das gerade in der Traumaarbeit problematisch ist: Menschen, deren Wahrnehmung in der Vergangenheit überschrieben wurde, brauchen die Erfahrung, dass ihre eigene Sicht gilt.

Die Fragen der Begleitung bleiben deshalb bei der Wahrnehmung: Was fällt zuerst auf? Wo ist Bewegung, wo Stillstand? Welcher Bereich ist noch unbearbeitet? Was bräuchte dieses Bild noch?

Was die Arbeit am Bild bewirkt

Handlung am BildErfahrung, die daraus entsteht
Eine Grenze einziehenEtwas hat einen Platz und breitet sich nicht weiter aus
Einen Bereich abdeckenNicht alles muss jetzt angesehen werden
Schutz ergänzenEs ist vorstellbar, dass Schutz existiert
ÜbermalenZustände sind nicht endgültig
Das Bild wegschließenBelastendes kann bewusst beendet werden

Der Wirkmechanismus ist konkret: Es handelt sich um reale Handlungen mit sichtbarem Ergebnis, nicht um Vorstellungsübungen. Deshalb bleibt die Erfahrung häufig über die Sitzung hinaus wirksam.

Wofür das Verfahren eingesetzt wird

  • Traumafolgen, bei denen das Erzählen zu stark belastet
  • Lebens- und Identitätskrisen ohne klar benennbaren Auslöser
  • Trauer und Abschiede
  • Beziehungsthemen, insbesondere wiederkehrende Muster
  • Phasen, in denen Gespräche an einem Punkt stehen bleiben

Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. In akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Rettungsdienst unter 112.

Häufige Fragen

Ist begleitetes Malen dasselbe wie Kunsttherapie?

Es ist eine bestimmte Ausprägung. Kunsttherapie ist der Oberbegriff für gestalterisch arbeitende Verfahren. Das begleitete Malen nach Bettina Egger zeichnet sich durch die konsequent nicht deutende Haltung und die Weiterarbeit am Bild aus.

Wie lange dauert eine Sitzung?

In der Praxis in Emmendingen sind 60 oder 90 Minuten möglich. Für Malprozesse ist das längere Format meist sinnvoller, weil Gestalten, Betrachten und Weiterarbeiten Zeit brauchen.

Muss ich zwischen den Terminen zu Hause malen?

Nein. Wer möchte, kann es tun, es ist aber kein Bestandteil des Verfahrens. Entscheidend ist der begleitete Prozess, nicht die Menge an Bildern.

Passend dazu

Sie möchten begleitetes Malen kennenlernen?

Im kostenfreien Informationsgespräch klären wir Ablauf, Format und Material.