Kunsttherapie in Emmendingen

Wenn Worte nicht ausreichen

Begleitetes Malen nach Dr. Bettina Egger – ohne Vorkenntnisse, ohne Bewertung.

Auf einen Blick

  • Voraussetzung: keine – weder Technik noch Vorerfahrung. Niemand bewertet etwas.
  • Zugang: begleitetes Malen nach Dr. Bettina Egger; das Bild wird befragt und weiterentwickelt, nicht gedeutet.
  • Material: stellt die Praxis, meist Farbe, Papier, Ton oder Collagematerial.
  • Format: 60 oder 90 Minuten; für Malprozesse ist der längere Termin meist sinnvoller.
  • Ort: Im Hausgrün 12, 79312 Emmendingen, rund 20 Autominuten von Freiburg.

Was das Gestalten leistet, was Sprechen nicht leistet

Manche Erfahrungen lassen sich nicht erzählen. Frühe Erlebnisse aus der Zeit vor dem Spracherwerb sind biografisch nicht abrufbar, und unter extremem Stress speichert das Gehirn Erinnerungen bruchstückhaft – als Bild, Geräusch oder Körperempfindung, nicht als zusammenhängende Geschichte. Gestaltung setzt deshalb genau dort an, wo das Gespräch an eine Grenze stößt: Sie braucht keinen roten Faden.

Sprache braucht eine Reihenfolge. Wer erzählt, muss entscheiden, was zuerst kommt, und das Erzählte zu einem Satz zusammenziehen. Genau das gelingt nicht, solange ein Zustand widersprüchlich, bruchstückhaft oder noch unbenannt ist. Ein Blatt Papier dagegen verlangt diese Ordnung nicht: Widersprüchliches kann nebeneinander stehen bleiben, ohne dass es sich auflösen muss.

Drei Eigenschaften, die den Unterschied machen

  • Ein Gegenüber entsteht. Das Gestaltete liegt nämlich außerhalb des Körpers, hat eine Größe und einen Rand und lässt sich aus Abstand ansehen.
  • Es bleibt bestehen. Ein Bild lässt sich Wochen später erneut betrachten, während Gesagtes sich verflüchtigt.
  • Tempo und Nähe bleiben steuerbar. Format, Material und Abstand entscheiden dabei darüber, wie nah ein Thema kommt – und ein Bereich lässt sich jederzeit abdecken.

Daraus folgt der praktische Nutzen: Eine Erfahrung lässt sich darstellen, ohne sie erzählen zu müssen. Vor allem für frühe Erfahrungen und für bruchstückhafte Erinnerungen unter hoher Belastung ist das oft der einzige verfügbare Weg.

Wenn wir Bilder machen, geben wir der Seele ein Gefäß, denn sie macht sich uns durch Bilder erkenntlich.

Dr. Bettina Egger, „Der gemalte Schrei“

Wie eine kunsttherapeutische Sitzung in Emmendingen abläuft

Gearbeitet wird nach dem begleiteten Malen von Dr. Bettina Egger. Kern ist dabei die Arbeit am Bild als Gegenüber: Das Gemalte bekommt keine Deutung, sondern Fragen und eine Weiterentwicklung. Die begleitende Person führt deshalb nicht inhaltlich, sondern hält den Rahmen und stellt Fragen, die weiterbringen.

  1. Ankommen. Zuerst entsteht aus einem kurzen Gespräch ein Ausgangspunkt: ein Thema, eine Frage, eine Stimmung oder auch nur eine Farbe.
  2. Gestalten. Danach folgt die Arbeit am Material, ohne Kommentar von außen. Sprechen ist dabei möglich, aber nicht nötig; ein Ergebnis gibt niemand vor.
  3. Betrachten. Anschließend steht das Bild aufgerichtet da und lässt sich aus Abstand ansehen. Die erste Frage ist dann eine der Wahrnehmung: Was ist zu sehen?
  4. Benennen. Dann kommt das Sichtbare in Worte – Formen, Bewegungen, Räume, Leerstellen. Nicht: was es bedeutet.
  5. Weiterarbeiten und abschließen. Zuletzt folgt häufig eine Veränderung direkt am Bild: begrenzen, abdecken, ergänzen, übermalen. Am Ende stehen Abstand, Erdung und die Rückkehr in die Gegenwart.

Warum Bilder nicht gedeutet werden

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, in der Kunsttherapie werde ein Bild nach einem Symbolschlüssel ausgelegt. Das trifft nicht zu. Tatsächlich gibt es keine feste Bedeutung von Farben und Formen: Rot steht nicht für Wut, Schwarz nicht für Trauer. Was eine Farbe bedeutet, hängt vielmehr an der Biografie – Schwarz kann Schutz sein, Gelb Bedrohung. Die Frage lautet deshalb nicht „Was bedeutet das?“, sondern „Was sehen Sie?“. Die Bedeutung stammt folglich von der gestaltenden Person, nicht von der Begleitung. Das ist kein methodischer Verzicht, sondern der Kern des Verfahrens: Wer in der Vergangenheit erlebt hat, dass andere die eigene Wahrnehmung überschreiben, braucht die Erfahrung, dass die eigene Sicht gilt.

Für wen sich der Zugang eignet – und wo seine Grenzen liegen

Gestalterisches Arbeiten bietet sich vor allem dort an, wo das Gespräch an eine Grenze stößt oder wo Sprache von vornherein nicht ausreicht:

  • wenn dasselbe Thema seit Monaten zur Sprache kommt, ohne dass sich etwas bewegt
  • bei frühen Erfahrungen, die vor dem Spracherwerb entstanden sind
  • wenn das Erzählen selbst zu stark belastet – das Bild erlaubt dagegen Darstellung mit Abstand
  • bei diffusen Zuständen, die sich nicht benennen, aber gestalten lassen
  • wenn das Denken das Fühlen zuverlässig überholt und auf jede Frage sofort eine Erklärung folgt

Die Grenzen sind ebenso klar. Bei akuter Suizidalität geht die Krisenversorgung vor. Bei akuten psychotischen Zuständen und bei ausgeprägter Dissoziation ohne verfügbare Erdungstechniken steht deshalb nicht das gestalterische Öffnen im Vordergrund, sondern zuerst die Stabilisierung. Und in keinem Fall ersetzt Kunsttherapie eine indizierte ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung; sie steht daneben. Auch die Studienlage gehört ehrlich benannt: Sie ist schmaler als bei den Richtlinienverfahren, weshalb Kunsttherapie überwiegend ergänzend zum Einsatz kommt.

Künstlerische Vorerfahrung ist kein Vorteil

Wer künstlerisch vorgebildet ist, hat zu Beginn häufig sogar mehr Mühe, weil eingeübte Ansprüche an das Ergebnis den Prozess bremsen. Aufschlussreich sind dagegen oft gerade die Stellen, die im Kunstunterricht als Fehler gälten: die verlaufene Farbe, die leere Ecke, der mehrfach übermalte Strich. Ausführlich beantwortet diese Frage der Beitrag Muss ich für Kunsttherapie malen können?; das Verfahren selbst beschreibt Begleitetes Malen nach Bettina Egger.

Häufige Fragen

Muss ich malen können?

Nein. Denn künstlerische Fähigkeiten sind keine Voraussetzung, und niemand bewertet etwas – weder Technik noch Ergebnis. Das Material stellt die Praxis, und der Anfang wird vorgegeben, falls nichts einfällt.

Was passiert mit meinen Bildern?

Sie bleiben Eigentum der gestaltenden Person. Üblich ist eine Aufbewahrung in der Praxis, damit der Verlauf darauf zurückgreifen kann. Mitnehmen oder Vernichten ist dabei jederzeit möglich – auch das kann Teil der Arbeit sein.

Ersetzt Kunsttherapie eine Psychotherapie?

In der Regel nicht. Sie kommt überwiegend ergänzend hinzu und verbindet sich mit Gesprächsanteilen: Das Gespräch ordnet ein, die Gestaltung öffnet, wofür Sprache nicht ausreicht. Bei akuten psychischen Erkrankungen hat dagegen die indizierte psychotherapeutische oder ärztliche Behandlung Vorrang.

Neugierig, wie das praktisch abläuft?

Im kostenfreien Informationsgespräch von 15 Minuten lassen sich Ablauf, Material und Rahmen in Ruhe klären.

Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. In akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Rettungsdienst unter 112.